Donnerstag, 5. April 2018

Wolle/ Garn spinnen - wie schnell geht das?

Das ist mein geliebter Pullover aus einem Kilo Yakhaar.

Mehr als 100 g Wolle am Tag (10 Stunden spinnen) schaffe ich nicht (bei einem mitteldicken Faden).  Nachdem ich mich ein bisschen im Internet umgesehen habe, liege ich damit noch ganz gut im Rennen.

Das waren also zehn Spinntage...

Eine professionelle Spinnerin hätte 1751 etwas mehr als zwei Tage gebraucht, eine Frau im Spinnhaus (in Haft) hätte das in einem Tag schaffen sollen...



Hier könnt ihr euch ausrechnen, wie ihr im Vergleich zu Spinnerinnen im 18. Jhd. abschneidet:


Aus der permanenten Ausstellung "Kvinnofängelse/Women's Prison" im Schloss Kalmar, Schweden:

Kammergericht Stockholm, den 11. September 1751
Oberhofprediger und Vikar der Gemeinde Sankt Clara und Sankt Olof, nunmehr Bischof im Bistum Västerås, hochgelehrter Herr Samuel Troilius, hat des Hufschmidts, Gottfried Piper, Klage bei Gericht zugelassen, damit dessen Ehefrau Helena Dretsch abermals wegen gottlosem Leben, unter anderem Handgreiflichkeiten und Säuferei, gebessert werden soll.

Nach der letzten Strafe um die Osterzeit 1750 hatte Piper seine Ehefrau aus dem Spinnhaus geholt, in welchem sie aufgrund Trunksucht und Flucherei inhaftiert war. Aber schon nach ein paar Tagen begann sie erneut mit ihrem Unwesen, weshalb Piper sie erneut anzeigte. Die Ehefrau ihrerseits gibt an, Piper sei aus demselben Schrot und Korn, unter anderem habe er mit der Frau des Sattelmachers Ekbom ein Verhältnis. Helena Dretsch wird in Haft genommen.

12. September
Aufgerufen werden Helena Dretsch, Gottfried Piper und die Ehefrau Eklom. Die beiden letzteren leugnen, ein Verhältnis zu haben. Da lässt Dretsch sich aus, dass Ekbom eine Hure sei. Das Gericht verbietet Dretsch so ein Wort zu benutzen und verurteilt Dretsch wegen Trinkerei und liederlichem Lebenswandel zu zwei Jahren Spinnhaus mit einem Arbeitspensum von 720 Strängen Garn per Jahr. (Ich nehme an, es handelt sich um Leinengarn - also eher duenner Faden.)

Arme Helena Dretsch!!! (Also ich weiss nicht, so ganz traue ich diesem Piper und der Ekbom nicht, aber das ist wieder eine andere Geschichte...)

Ein Strang besteht aus ca. 1800 m Garn.
Von einer in einer Manufaktur angestellten Spinnerin wurde erwartet, dass sie 400 Stränge im Jahr liefert (175,6 kg).

Arbeitete man sechs Tage in der Woche, muesste man ca. 4100 m Garn pro Tag spinnen.
4100 m Garn wiegen ca. 1 kg.
Nach einem Versuch, den das Stadsmuseum in Stockholm gemacht hat, ist es unmöglich, diese Menge an einem Tag zu spinnen.

Das von Dretsch verlangte Arbeitspensum von 720 Strängen pro Jahr bzw. 1440 Stränge in den verhängten zwei Jahren, war also unmöglich zu bewältigen (sofern sie die professionellen Spinnerinnen nicht haushoch im Tempo geschlagen hat). Sie musste knapp 2600 km (634 kg) spinnen, bevor sie aus dem Spinnhaus entlassen wurde (also nach ca. 3,6 Jahren).*


Ich wäre mit meiner Spule (ca. 100 g) am Tag lebenslänglich in diesem ver*** Spinnhaus gesessen!


Die Frauen im Spinnhaus wurden an den Haaren "aufgehängt", damit sie während des Spinnens nicht zusammensackten und einschliefen
Ein Raum des ehemalige Frauengefängnis im Schloss von Kalmar


Dienstag, 3. April 2018

Paramentenstickereien aus Småland

Ach Manno, denke ich manchmal, warum denn bloss bin ich nicht eine paramentenstickende Nonne geworden? Oder wenigstens in einen Jesuitinnenorden eingetreten, um Prostituierte davon zu ueberzeugen, dass der Job nicht das Gelbe vom Ei ist? Idealerweise sogar beides? Also wirklich schade drum, dass mir das nicht frueher eingefallen ist!

Letztes Jahr gab es im Kalmar Länsmuseum eine sehenswerte leider sehr kleine Ausstellung mit kirchlichen Textilien.

Man beachte das schwarze Messgewand mit dem lächelnden Jesus (sieht bisschen aus wie Conchita Wurst)!

Abgesehen vom letzten Messgewand, sind diese Textilien nicht von Nonnen gefertigt worden, da es im 18. Jhd. keine Klöster in Schweden gab. Klöster waren in Schweden von 1595 bis 1951 verboten.

Mir gefällt vor allem, dass die Stickerinnen sich fuer kräftige, bunte Farben entschieden haben, was dem Protestantischen nicht gerade entgegenkommt. Also jetzt aber:






Tuch von Sofia Widén, 20. Jhd.

Tauf"kleid" (direkt uebersetzt Taufbeutel) aus Baumwolltaft mit bedruckten weissen Punkten und mit Bändern und Spitze verziert aus Ugglemad, Torsås Socken, 18. Jhd.

Upps! Das steht auf dem Kopf...
Taufbeutel aus rotem geglätteten Wollstoff, bestickt mit Glasperlen und einem schmalen Band aus Golddraht, und einem Rand aus maschinell hergestellter Spitze, Öland, 19. Jhd.

Messgewand bestickt mit einem lächelnden Jesus am Kreuz und einem Schädel. Die Stickerei von Helena Larsdotter Lindelias ist vermutlich aus einem besonderen kirchlichen Anlass erst später auf das Gewand gekommen. Im Besitz der Kirche von Fliseryd.

Das kurze Messgewand aus blumengemustertem Seidenbrokat, 18. Jdh., ist vermutlich aus einem Vorhang oder Kleid  genäht worden. Stickereien finden sich auf der rechten Schulter. Das Messgewand ist mit Leinentaft gefuettert.

Messgewand aus dem 15. Jhd., Ursprung unbekannt, vermutlich Kriegsbeute vom Kontinent aus Schwedens Grossmachtzeit, handgewebt aus handgesponnener Seide. Wie es nach Öland gekommen ist, ist ebenfalls unbekannt.


STOP SNOWING! WINTER, GO HOME!


Montag, 2. April 2018

Stickerei-Ausstellung in Virserum Teil 2

Oh so peinlich! Ich hab's einfach nicht geschafft, so schnell wieder in diese (mittlerweile schon lange beendete) Ausstellung zu kommen und dann war's Sommer = keine Zeit und dann kam der Herbst, der Winter und ich hatte noch weniger Zeit, weil ich schwer damit beschäftigt war, zu spinnen, stricken, sticken, nähen, quilten. Jedenfalls war ich superfleissig - echt! :-D

Alle Projekte sind jetzt fertig - der Winter nicht. Zeit zum Bloggen...

Hier sind also noch einige Fotos von der Ausstellung zur Inspiration:













Frohe Ostern aus dem verschneiten Gillberga! 

- aber es taut heute!!!






Samstag, 11. Februar 2017

Stickerei-Ausstellung in der Kunsthalle von Virserum

Bland blommor och stygn 

heisst die Ausstellung und sie läuft noch bis zum 13. August - falls sich jemand in unsere Einöde verirren sollte. Ich weiss nicht, was ich da zusammenfotografiert habe... vor lauter Begeisterung habe ich mich mehr auf die Stickereien konzentriert als auf den Fotoapparat.

Auf jeden Fall werde ich bald wieder hingehen und mir mehr Muehe geben! Ausserdem sind die Arbeiten bislang noch ohne Namensschilder, aber das soll sich bald ändern.

Die Ausstellung ist SUPER! Es gibt ueber 120 Stickereien von 80 Stickerinnen zu sehen und eine ist schöner als die andere!

Meine Riesenprojektdecke ist auch dabei und als ich jetzt sie zum ersten Mal aufgehängt gesehen habe, war ich doch irgendwie schwer beeindruckt :-D

Ein schönes Wochenende!