Freitag, 31. August 2012

Day-21 oder von einer, die auszog...


... um ihre Flaggen aufzuhängen





Heute ist Day-21 von Susanne Dannenbergs abenteuerlichem 21-Day Mixed Media Challenge http://21dayartchallenge.blogspot.ca/  - meinem Lieblingsprojekt des Jahres 2012, das mich jeden Morgen voller Vorfreude aufstehen ließ. Abenteuerlich deshalb, weil es eine kleine Entdeckungsreise in mich war. Es hat sehr viel Spaß gemacht - vielen herzlichen Dank, liebe schöne Susanne!

Was ich schon immer vorher von mir wusste, ist, dass ich eher nicht der Typ bin, der Tarotkarten zieht und wenn doch, schummle ich ordentlich dabei. Wenn mir eine Karte nicht gefällt, ziehe ich einfach so lange, bis was Besseres kommt. Diesmal habe ich aber kein einziges Mal geschummelt und nach den Waldspaziergängen mit Hund Fanny jeweils eine Karte gezogen, dann irgendein Buch aufgeschlagen und blind mit dem Finger auf ein Wort getippt. Danach habe ich mich ans Werk gemacht und eine kleine 7,5 x 7,5 Inch große Flagge genäht, bestickt, beklebt und einmal sogar ein bisschen bemalt. 21 Tage lang. Es ist übrigens sehr empfehlenswert, den Tag so oder ähnlich zu beginnen!

Ganz gegen meine sonstigen Gewohnheiten wachte ich heute morgen von ganz alleine ganz früh auf. It's Flaggtag - yippie ya yeah! Und: Regen... sehr viel Regen. Ausgerechnet...
Die letzte Tarotkarte: 4 Stäbe! Ein Volltreffer ist möglich. Feiere das Einbringen der Ernte und vergiss nicht, die nächste Aussaat vorzubereiten. Setze deine Tatkraft ein, doch lasse dabei deine Gefühle nicht außer Acht. Das Ganze wird mehr sein als die Summe seiner Teile.

Nein - wie passend! Ich muss übrigens nur ganz selten schummeln und ziehe meistens auf Anhieb die tollen Tarotkarten. Das Wort des Tages: Tour! Natürlich, ich werde heute im Wald nach dem passenden Platz für meine Flaggenkette suchen. Klasse!

Wer brauchst schon ein Frühstück an solch einem Tag? Ein Apfel unterwegs reicht auch. Komm, Hund! Heute ist der große Tag 21. Und los geht's. Durch den Regen, ein Stück die Dorfstraße entlang und hinein in den Wald. Hund Fanny meutert und weigert sich. Es ist aber auch wirklich zu schlimm mit den Mücken dieses Jahr und der viele Regen erst...



Follow the Schnecken! Ein Eichelhäher fliegt in den Wald. Eichelhäher am Morgen, vertreibt Kummer und Sorgen - haha! Natürlich bin ich begierig auf ein Zeichen! Um den richtigen Platz zu finden. Während Fanny die Pfützen leer trinkt. Jetzt hör auf zu suchen! Auf Zeichen darf man nicht warten, sie kommen einfach. Oder etwa nicht? Was soll denn aber auch schon auf diesem ganz normalen Waldweg für ein Zeichen kommen? Es ist sicherlich viel besser, sich einfach durchs Gestrüpp zu schlagen.


Im Regen durch den Wald zu gehen ist schön. Die Tropfen an den Ästen, das nasse Moos, der aufgeweichte Waldboden, die stärkeren Gerüche. Schade, dass ich keine Tüte mitgenommen habe, denn mit dem Regen schießen die Pfifferlinge wie Pilze aus dem Boden. Das kann man eigentlich nicht sagen, weil Pfifferlinge ja Pilze sind, aber die Redewendung heisst nun mal "wie Pilze aus dem Boden schießen". Wie sich herausstellt, ist es ziemlich schwierig, eine Tonne ganz frisch geschossener Pfifferlinge einfach links liegenzulassen. (Nach der neuen Rechtschreibung müsste man, glaube ich, "liegen zu lassen" schreiben. Aber das kann ich nicht. Das ist wie "allein stehende Mütter" wie es plötzlich heißen sollte. Das war so doof! Ich glaube, die haben das auch gemerkt und man kann jetzt wieder "alleinstehend" schreiben).
Immer noch kein Zeichen, nicht, dass ich drauf warten würde - nein nein. Oh, so schön im Wald! Und noch mehr Pfifferlinge! Wahnsinn, muss morgen unbedingt mit Tüte wiederkommen. Und was ist das? Ein Zeichen? Heisst das etwa: Da lang!?


Ein Eichelhäher ist vorhin vorbeigeflogen und jetzt die Eichelhäherfeder? Soll die für mich sein? Ich will ja jetzt nichts an den Haaren herbeiziehen und es ist auch nicht gerade die erste triefnasse Feder, die ich bis jetzt auf meiner Tour gesehen habe.
Es gibt weiter hinten eine höhere Erhebung, die ich eigentlich sehr gern mag. Vermutlich nicht dumm, dort nicht auf ein Zeichen zu warten und trotzdem eins zu finden. Von der anderen Seite aus kann man den Hügel ganz problemlos erreichen, aber da müsste man erst mal weiträumig drumherum gehen. Auf meiner Seite ist es eher die Eiger-Nordwand des Gillberga-Waldes, aber Herausforderungen sind genau mein Ding!



Es ist natürlich gleich viel spannender als auf dem Weg, aber nach einer Minute trieft der Hund und ich bin nass bis zum Bauchnabel. Der ganze Hügel ist im Grunde nichts weiter als ein riesiger Haufen großer und kleiner Steine mit einer dünnen Schicht Erde, die wiederum mit Moos bedeckt ist. Die großen Steine haben die Trolle hingepfeffert, unter den kleinen wohnen die Waldwichtel. Obwohl wir noch keine Skogsrå gesichtet haben, gehen wir vilse. Die Skogsrå ist ein anderes nordisches Waldwesen, sehr hübsch anzusehen, aber ein kleines bisschen gemein. Sie lockt einen nämlich mit verführerischen Gesten immer tiefer in den Wald und wenn man sich hoffnungslos verläuft, macht sie ätsch bätsch, verschwindet und kehrt einem ihren hässlichen hohlen Rücken zu. Und weil es in Schweden so viel Wald gibt und man sich leichter mal verirrt als anderswo, gibt es das Wort "vilse", was so viel bedeutet, wie "sich im Wald verirren".
Hund Fanny hat schreckliche Mühe, den Waldwichteln nicht durchs Dach in die Wohnstube zu latschen und ich fürchte überdies, sie könnte sich eine Pfote brechen. Eiger-Nordwand mit Hund ist ein No-Go. Also wieder runter zum Waldweg durch eine Schonung. Macht nichts, wenn einem die Nadeläste ins Gesicht peitschen und noch vollends durchnässen. Unter der Hose läuft das Regenwasser in die Gummistiefel.

NEIN! Ein Reh! Leider rennt es weg, bevor ich auf den Auslöser des Fotoapparats drücken kann. Aber da, am Waldrand, stand es gerade noch:



Das Reh, muss man wissen, ist mein Totem-Tier. Das habe ich mit Hilfe eines Hollywood-Films ermittelt, in dem ein amerikanischer Ureinwohner zu sehen war, der einem Touristen zu seinem Totem-Tier verholfen hat. Geistesgegenwärtig habe ich alles mitgemacht, was der Ureinwohner dem Touristen befohlen hat, und seitdem habe ich dieses mehr als praktische Totem-Tier. Praktisch deshalb, weil es tatsächlich funktioniert. Wenn man nachts schlecht träumt und mit klopfendem Herz hochschreckt, muss man sich nur sein Totem-Tier vorstellen und schon hört das Klopfen auf. Meine Güte, was habe ich denn da geschrieben? Das Klopfen hört natürlich nicht auf, es wird einfach leiser und seltener.
Das war jetzt aber mein sauer verdientes Zeichen, oder? Follow the Reh - schaden kann es ja nichts.
Kaum wieder vom Waldweg runter, kommt das nächste Zeichen. Es geht voran! Follow the brand new Elchspur!


Ganz schön matschig hier und ziemlich voller undurchdringlichem Gestrüpp. Rutschig auch noch. Vor kurzem waren hier wohl Waldarbeiter und haben meterhoch Massen von abgeschlagen Ästen hinterlassen. Wärmer ist es auch noch nicht geworden. Aber Glück im Unglück - das nächste Zeichen! Leider wieder zu spät für den Fotoapparat. Follow the Hase und (haha) klettere mit dem Hund über die Steinmauer. Auf der schön niedrigen Seite hochzukommen ist ja kein Problem, aber auf der anderen Seite geht es über einen Meter wieder runter! Arme kleine Fanny! Zuerst muss ich zwei morsche Bäume wegschleppen und dann den 65 kg schweren Hund von der Mauer heben. Auf der Tarotkarte stand doch: Setze deine Tatkraft ein!
Trimm dich! Gab es nicht früher immer solche Trimm-dich-Pfade, die überall aufgestellt wurden und die niemand benutzt hat? Was wohl aus ihnen geworden ist?


Geschafft! Fanny guckt ein bisschen verwirrt und dann, als wolle sie mir sagen: Können wir bitte nach Hause gehen, wo ich endlich mein heute schwer verdientes Futter kriege? Brave, Fanny, sage ich und streichle ihr aufmunternd über das triefende Haupt. Jetzt habe ich lauter Tannennadeln und sonstiges Kleinzeug an den nassen Händen... Aber das Gelände ist hier viel weniger anstrengend: geringe Baumdichte, keine Farnfelder, nur schöne, weiche Moosbetten. Ungefähr nach fünf Metern die nächste Überraschung:


Die zweite Steinmauer. Hab ich's nicht bei meinem Post über die Felsen geschrieben? Diese Steinmauern finden sich in ganz Schweden an allen möglichen und unmöglichen Stellen. Wir befinden uns allem Anschein nach auf einer historischen Viehweide.
Hinter der Steinmauer lauert leider der Waldweg. Ach, Manno! Aber guckt mal, wie gut ich's habe: an einem gewöhnlichen Werktag kann ich einfach im Wald herumstreifen. Mir ist ein Leben mit Steineschleppen erspart geblieben.


Um es kurz zu machen: wir sind noch eine ganze Weile durch den Wald gegangen. Dann sagte eine Art innere Stimme: "Warum willst du die Flaggenkette eigentlich unbedingt in den Wald hängen? Vielleicht wäre es doch nett, wenn andere sie auch sehen könnten... Freust du dich denn nicht auch immer, wenn du diese umstrickten Laternenmasten siehst?" Gar keine so schlechte Idee, zumal meine Tarotkarte sagt: ... doch lasse deine Gefühle nicht ausser Acht!

Mitten in Gillberga auf dem Rullstenåsen habe ich einen Lieblingsplatz, wo ich sehr oft hingehe, um mir die iPod-Stöpsel in die Ohren zu stecken, die Lautstärke hochzuknipsen und Pink anzuhören. Weil mich gar keiner dabei beobachten kann, singe ich ganz laut dazu: "So, so what? I'm still a rock star, I got my rock moves and I don't need you - and guess what I'm having more fun and now that we're done I'm gonna show you tonight... I'm alright, I'm just fine... ba da da da da da da da...

Und da hängt sie:


Ein Lob meiner tapferen Begleiterin, der unerschrockenen, treuen Fanny Heisenberg:





video


Einen schönen Tag wünsche ich Allen!


Kommentare:

Suda hat gesagt…

What a wet journey, but awesome story, written with your humour that is only your's :)

Glad you didn't get lost in that big beautiful forest on a wet day with no food in your tummy!

Love the photos along the way of the feather, stone wall and all!!

Then the pics by your farm with Fanny proudly guarding your colourful flags....which all your visitors can see now, and likely I will be one of them one day!

Thank you, Maria, for participating and sharing so loyally every day!!!

In gratitude,
Susanne

Maria in Gillberga hat gesagt…

OMG, danke, dass du mich erinnert hast - ich habe den ganzen Tag vor Aufregung vergessen zu essen :-D Wie gesagt, die Kette hängt nicht auf unserem Grundstück, sondern mitten in Gillberga auf der höchsten Erhebung weit und breit und man kann sie von der Dorfstraße aus gut sehen. Und dann habe ich vergessen dir zu sagen, das mir dein Gedicht so gut gefallen hat! Und deine Bilder sind eins ums andere allesamt Augenweiden. Ich danke dir nochmals ganz herzlich für dieses Projekt, das ich sehr vermissen werde und hoffe, wir tauschen trotzdem ab und zu unsere Kreationen aus! Bis bald! Maria