Freitag, 17. August 2012

Links und rechts der Dorfstrasse

Norra Gillberga schrumpft - parallel des Emåns gelegen - vor sich hin. Das alte Schulhaus steht leer, das Lebensmittelgeschäft ist seit vielen Jahren ein Ferienhaus, kaum jemand weiss noch, dass es hier einen Schuhmacher gab und von drei Wohnstätten findet man auf Viehweiden nur noch ein paar Steine der Kamine. Zwei weitere Häuser sind schon im fortgeschrittenen Zustand der Kompostierung. Ein Haus steht leer, drei stehen zum Verkauf. Es gibt fünf Ferienhäuser und zehn Häuser werden dauerhaft bewohnt.

Norra Gillberga - der nördliche Teil; Ausblick vom Gräberfeld
Auf dem neulich schon erwähnten Gräberfeld aus der Eisenzeit wurde ein drei Gramm schwerer Beschlag gefunden, der zwischen 500 v. Chr. und 1099 n. Chr. hergestellt wurde. Wer mag, kann auf dem eingezäunten und im Sommer von Schafen beweideten Gelände eine "Tippspromenad" machen. Das Thema "Tippspromenad" verlangt nach einem eigenen Kapitel - also dazu später mehr.

Gräberfeld


Ausblick vom Gräberfeld auf den südlichen Teil von Norra Gillberga
Jetzt geht es eine ganze Weile vorbei an Äckern - bestimmt zwei Kilometer weit. Schmetterling, Blumen und Heerscharen von Vögeln... bis man zum sehr malerischen Rullstensås, der im Sommer von Kühen beweidet wird, kommt.

"Rollsteinhügel"

Über die Entsteht eines Os (rullstensås):

Inlandeis enthält wie jeder Gletscher unter anderem Moränenmaterial (feiner Ton bis grobe Blöcke). Schmelzwasser auf dem Eis sucht sich einen Weg an die Gletscherbasis, nimmt dabei das Moränenmaterial auf und lagern es entlang seines Verlaufs unter dem Gletscher wieder ab. Die Entstehung der Oser ist mit dem Stillstand bzw. dem Abschmelzen des Inlandeises während der Eiszeiten verbunden.

Blick vom Os auf das mittlere Norra Gillberga
Das alte Schulhaus
hier wohnte Greta Garbos Onkel
Das Haus ist ein "Soldattorp" (Soldatenkate) und steht leider leer. Es gibt einige "Soldattorpar" in Gillberga und ich versuche mal zu erklären, was es damit auf sich hat:

1544 beschloss der schwedische Reichstag, dass jährlich eine bestimmte Anzahl von wehrfähigen Männern ausgehoben werden sollte. Jeweils ein geeigneter Mann aus einer Gruppe von fünf oder sechs Männer sollte bei Kriegsgefahr zum Militärdienst gestellt werden. Die Anzahl der Ausgehobenen wurde im Laufe der Zeit immer wieder geändert. Zuständig für die Organisation dieses Systems war das Einteilungswerk, dass in Schweden von 1682 bis 1901 existierte.

Bei einem Soldattorp handelt es sich also um eine Häuslerstelle, die im Auftrag des Einteilungwerks erbaut und einem Soldaten zugewiesen wurde. Die Katen sind sich ähnlich, da die Maße auf acht mal vier Meter und ca. zwei Meter Höhe festgelegt waren. Mehrere Bauern bildeten eine Rotte, die den Soldaten in Friedenszeiten Arbeit gaben, für die die Soldaten mit Naturalien und Geld entlohnt wurden. Die Rotte kam auch für die Uniform auf, die jedoch als Staatseigentum galt und für die der einzelne Soldat haftbar gemacht wurde. Zog ein Soldat in den Krieg, war ihm sein restliches Jahresgehalt im Voraus mitzugeben. Für die Familien brauche die Rotte nicht aufkommen, sie durfte währenddessen die Häuslerstelle aber weiterhin bewohnen. Fiel der Soldat oder desertierte, musste die Familie die Häuslerstelle innerhalb von drei Monaten räumen.
Die Soldaten sollten so lange wie möglich dienen und wurden erst entlassen, wenn sie von den Bauern oder den vorgesetzten Offizieren für untauglich befunden wurde. Nach dem Abschied erhielten sie weiterhin Getreidelieferungen, die ab 1726 durch einen geringen Geldbetrag ersetzt wurden. Die Witwe eines Soldaten musste die Häuslerstelle verlassen und erhielt lediglich den noch ausstehenden Jahreslohn des verstorbenen Soldaten.


Jetzt kennt ihr also Norra Gillberga wie euere Westentasche!


Oh und was ist das denn? Ist die Schlange auf dem Projekt "Dorfstrasse" etwa fertig gestickt? JA!








Kommentare:

Mark Graf hat gesagt…

Danke für den interessanten Geschichtsuntericht - gar nicht gewusst!
Du, das Teil mit dem Ameisen und der Schlange darfst du nicht einem Fremden zum Ankauf anbieten. Ich will zuerst anbieten dürfen, bitte!!! Das ist ganz super geworden!

Mark Graf hat gesagt…

Und der Riesenstein mit dem kleinen Unterstützer darunter - and den mag' ich mich noch erinnern wo der ist! Das war ein schöner Spaziergang...