Mittwoch, 15. August 2012

Spaziergang durch Högsby

Högsby ist seit der frühen Eisenzeit besiedelt. In Gillberga findet man auf einem Hügel noch die Hinterlassenschaft der damaligen Bewohner - ein paar Haufen Steine, die nur für das geschulte Auge mehr als eine zufällige Anhäufung darstellen, aber ein Besuch lohnt sich allein wegen der schönen Aussicht übers Emåntal). Heute hat Högsby 1.881 Einwohner (1995 waren es noch 2.170).

Mit dem Bau der ersten Kirche wurde 1250 begonnen und welche Teile erhalten geblieben sind, weiss ich nicht - es wurde jedenfalls über die Jahrhunderte immer wieder dazugebaut. 1772 bis 1774 zum Beispiel der Turm und bei einem Umbau 1885 erhielt die Kirche ihr jetziges Aussehen. In ihr finden sich zwei Altarschränke aus dem späten Mittelälter und im Waffenhaus ein Runenstein von 1050.





Über den Emån, dem das Dorf immer wieder Überschwemmungen aber auch gutes Ackerland zu verdanken hat, kommt man zum "Kommunhus" im nationalromantischen Stil, erbaut 1913. Letzte Woche reichten die Fluten noch bis zur Tür des kleinen Häuschens, das man auf dem folgenden Foto rechts sieht.



Nach einigen hundert Metern weiter gelangt man zum "Hembygdspark" Lanhagen. Hier wurden Wohnhäuser, Werkstätten und Scheunen aus verschiedenen Jahrhunderten aus der Kommune Högsby wieder aufgebaut.



Die letzte Bewohnerin dieses Häuschens war Kari in Basebo, genannt Katt-Kari (Katzen-Kari), weil sie ständig von Katzen umgeben war. Soweit überliefert, war sie stolz auf ihr kleines Heim und teilte es zeitweise mit einem Schuhmacher, der dort auch seine Werkstatt hatte.
Als das Gebäude im 17. Jahrhundert gebaut wurde, benutzte man dafür wie es damals üblich war, Holz von verschiedenen älteren Gebäuden. Auf dem großen offenen Kamin bereitete man das Essen zu. Er gab kaum genug Wärme zum Beheizen der Stube ab und man konnte mithilfe einer langen Stange eine Platte auf den Schornstein schieben, um die Wärme besser zu speichern. Im Ofen trocknete man den Roggen, wenn er nach der Ernte noch feucht war. Die einzige Stube ist mit einem Bett, einem Tisch, einen Stuhl und einem Spinnrad eingerichtet.

Aus einem Zeitungsartikel der Oskarshamntidningen vom 23. November 1902:
Bei der taubstummen Karolina auf Kattbacken wurde in der Nacht zum Montag eingebrochen und verschiedene Lebensmittel gestohlen. Karolina wohnt alleine in ihrem kleinen Häuschen und war zufällig nicht zu Hause. Was sie am meisten schmerzte, war der Verlust ihres kleinen Stücks Weihnachtskäse.

Ich hätte diese Katt-Kari für mein Leben gern kennengelernt, mein Spinnrad neben ihrem aufgestellt und eine Zeitlang mit ihr in diesem Häuschen vor dem Kamin verbracht! Zu spät... sie lebte von 1848 bis 1933 und ich hoffe, dass sie all die anderen Jahre nie auf den Weihnachtskäse verzichten musste.


Zurück in die Gegenwart, vorbei am modernen Ausbildungszentrum zur Hauptstraße.
Im Trödel- oder Antiquitätengeschäft stelle ich immer wieder fest, dass handwerkliche Arbeiten, die von Männern ausgeführt wurden höher bewertet werden als die der Frauen. Ein mühselig in vielen Arbeitsstunden besticktes Tuch kann man unter 10 Euro bekommen, ein kleines bemaltes Holzkästchen aus derselben Zeit, das sicherlich sehr hübsch ist, in dem aber wesentlich weniger Arbeit steckt, kostet den vierfachen Betrag. Vielleicht liegt es daran, dass bestickte Deckchen und Tischtücher "out" sind. Aber warum ein handgewebtes Leinen-Geschirrtuch, das ohne Verlust der Qualität mehreren Generationen gedient hat und durchaus in der Lage ist, weitere Generationen zu überdauern, einem maschinell hergestellten Baumwoll-Geschirrtuch bei gleichem Preis nicht vorgezogen wird, ist mir ein Rätsel.
Hier eine prima Alternative zu verschmähten gehäkelten Topflappen oder Klopapiertarnkappen:



Weiter geht's am alten Kino vorbei, den Berg hinauf und halt! Ein Blick ins Erikshjälpen-Geschäft ist ein Muss. Die Organisation heisst mittlerweile Human Bridge und sie betreibt in Schweden fünfzig Second-Hand-Läden zugunsten von Kindern in 27 Ländern, um deren Versorgung und Ausbildung zu unterstützen. Der an Hämophilie erkrankte Gründer der Organisation Erik Nilsson (1929-1966) begann in seinem Wohnort Gillberga damit, kranken Kindern aufmunternde Briefe zu schreiben.
Und ich freue mich sehr über die gehäkelte Tasche, die ich für knapp zwei Euro erstanden habe (dafür kriegt man noch nicht mal mehr ein Knäuel Garn...).

























Nächste Sehenswürdigkeit: ein altes Bankgebäude, in der jetzt die Greta-Garbo-Ausstellung unterbracht ist. Warum Greta Garbo in Högsby? Ihre Mutter kommt von hier und ihr Onkel wohnte - wie könnte es anders sein - in Gillberga.


Letzte Station und der Ort, den ich in Högsby am meisten schätze: die Bibliothek Misteln.


Ich habe gefragt, ob ich meine Beutel in der Vitrine fotografieren kann. Aber natürlich!


Und den tollen Sessel, der vor Jahren im Rahmen einer Kulturwoche die Besucher einlud, ihn zu besticken, durfte ich auch gern fotografieren. Weil er so schön geworden ist, wurde damals beschlossen, ihn in der Bibliothek zu lassen.



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Das war's für heute. Ich hoffe, der kleine Ausflug durch unser Dorf hat euch gefallen!

Kommentare:

Mark Graf hat gesagt…

Danke für die Högsbytour! War schon seit Monaten nicht mehr dort. Aber der ICA fehlt doch! Hahaha!

Maria in Gillberga hat gesagt…

Hahaha, ich hatte auch Fotos vom ICA gemacht, sie dann aber nicht verwendet.