Donnerstag, 3. Januar 2013

Projekt: Seattle-Hoodie bestickt

Seattle



Karin Holmbergs Munkjacka "Kulla" ist der Hammer. Das Buch, in dem sich die genaue Anleitung findet, heisst: "Karin Holmberg - Karins Broderier" und ist im Verlag Natur & Kultur erschienen.
Ich hätte auch gern so einen schönen Hoodie (oder Kapuzenjacke, wie das auf deutsch heißt). Nur vielleicht weniger bunt und in schwarz. Gestern in Kalmar bei Human Bridge nach so einer schwarzen Kapuzenjacke gesucht, aber nichts gefunden. Dafür aber andere Sachen - haha!

Jedenfalls habe ich heute morgen, während der morgendlichen Hunde-Runde durch den Wald, beschlossen, meinen Seattle-Hoodie zu besticken. Stickgarn habe ich im Laufe der Zeit in Trödelläden genug gesammelt - leider ist aber gar kein rotes Garn dabei... Es ist ein Haufen Baumwollgarn, während Karin Holmberg Wollgarn zum Besticken benutzt hat. Vielleicht funktioniert es ja trotzdem. Da ist einmal ein Haufen Marks Kulla-Garn und ein Haufen DMC Matania-Garn.

Im Wald habe ich dann angefangen darüber nachzudenken, ob sich diese schwedischen Stickereien auf einem Seattle-Hoodie überhaupt machen und ob es Alternativen gibt und was ich überhaupt mit Seattle verbinde und ob es dort auch traditionelle Stickerei gibt - der Spaziergang wurde vor lauter Grübelei lang und jetzt bin ich super durchgefroren. Auf Lopez Island habe ich in der Mülldeponie ein paar bestickte Deckchen gefunden, die sahen schon anders aus als die in Schweden, aber nicht unbedingt besser. Hm. Was also tun?


Wenn ich an Seattle denke, fallen mir ad hoc die üppigen Blumengärten auf meinem üblichen Spazierweg den Beacon Hill hinunter zur Columbia City Bakery ein. Im Evergreen State wuchert alles eifrig vor sich hin, die Bäume sind viermal so dick wie in Schweden und Rosmarinsträucher oft gut anderthalb Meter hoch, während mein kümmerlicher Rosmarinstrauch jeden Winter erfriert.




Die Columbia City Bakery, finde ich übrigens, ist ein Muss für Seattle-Besucher: YUMMIE! Dort gibt es nicht nur himmlisch gute Kekse, Kuchen, Laugenweckle besser als in Süddeutschland und sehr leckeres Brot zu kaufen, sondern auch Hoodies mit einer aufgedruckten Krähe, die mit einer Brezel im Schnabel auffliegt.


Die Krähen in Seattle haben mein Herz im Sturm erobert. Sie lieben Käse, rohe Eier, essen außer Gemüse und Obst aber auch alles andere sehr gern. Es lohnt sich, sie stundenlang zu studieren, weil sie so ausgebufft sind. Die Wahrheit ist, dass sie genauso erfolgreich uns studieren und uns nett an der Nase herumführen. Es gibt einen sehr spannenden Dokumentarfilm, in dem Seattles Krähen die Hauptrolle spielen: "Raben - Unterschätzte Genies" (Kanada 2009).


Die Skyline von Seattle ist auch ganz nett, aber die möchte ich nicht auf dem Hoodie haben, weil ich nicht genug graues und schwarzes und braunes Stickgarn habe.


Gibt es vielleicht Stickereien von den Ureinwohnern? Das wäre doch noch was! Genug wunderschöne Motive gäbe es ja. Ich habe einige bescheidene Schätze mitgebracht. Eine Glasperlen- und Muschelkette, gekauft in Forks (not made in China), einen Büffelzahn und anderen Kleinkram vom Seattle Seafair Powwow 2010.


Seattle Seafair Powwow 2010
Schöne Bekleidung, aber nichts zum Nachsticken dabei - leider. Ach je, jetzt wäre ich auf einmal gern in La Push! Bestimmt ist es dort gerade genauso grau wie hier, aber La Push ist bei jedem Wetter klasse. Der Adler vor dem Rivers Edge Restaurant wäre nett auf der Jacke, aber weißes Kulla-Garn habe ich auch nicht.

La Push
La Push hat ungefähr zehn Mal mehr Einwohner als Gillberga, nämlich um die 350, und liegt in der Quileute Indian Reservation. Und jetzt bei Wikipedia nachgeguckt: La Push ist seit mehr als tausend Jahren Heimat der Quileute und der Name La Push kommt aus dem Französischen la bouche. Den Namen erhielt der Ort von französischen Pelzhändlern. Bei den Quileute hieß der Ort Ziliyut. Die Geschichte der Quileute ist wie die der meisten nordamerikanischen Ureinwohner traurig und schrecklich ungerecht. (La Push bei Wikipedia)
Lebensmittelladen in La Push

Strand von La Push






















































Jetzt bin ich immer noch kein Stück weiter! Herrje! Aber ich habe etwas gefunden: Cree Embroidered Caribou Moccasins. Die Erklärung, wieso diese Stickerei so europäisch wirkt folgt nach dem Foto. Außerdem gab's bei Google noch ein paar hübsche Native Indian-Stiefelchen. Das Muster könnte man zumindest mir als typisch schwedisches unterjubeln.



Neulich habe ich einen interessanten Artikel darüber gelesen, wie sich Strick- und Stickmuster verbreitet haben. Morgen schreibe ich mehr dazu, aber jetzt muss ich mal in die Pötte kommen, sonst wird das nichts mit dem Besticken meines Seattle-Hoodies.

Karin Holmbergs Anleitung sagt, man solle die Muster auf Karton überführen, sie dann ausschneiden und auf der Jacke platzieren, am besten, wenn man dabei die Jacke trägt. Ich werde mein Muster auf Papier zeichnen und dann mit einem Markierstift auf die Jacke abmalen. Wo immer es möglich ist, einen Spannrahmen benutzen und darauf achten, dass der Stoff der Jacke nicht zusammengezogen wird!
Wie es gelaufen ist, werde ich bald hier berichten...

Frohes Schaffen
und alles Gute aus Gillberga,
wo der Schnee fast weggeschmolzen ist!



HALT! HILFE! Das funktioniert überhaupt nicht mit dem Kulla- und Matania-Garn! Es ist viel zu dick und reines Glück, dass der Seattle-Hoodie nach den ersten Versuchen nicht total zerlöchert ist. Schöne Bescherung! Na ja, zur Not hätte man ihn dann mit Loch- oder Hardanger-Stickerei mit diesen Durchbrüchen retten können. Ich versuche es jetzt mit Mouline-Stickgarn...

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