Sonntag, 27. Januar 2013

Wort zum Sonntag und mehr Filz



















Was ist das denn jetzt wieder in Deutschland? Zugegeben, ich lese mich nur noch sporadisch durch die deutschen Nachrichten, weil ich genau auf meinen Blutdruck achte - ha!
Ich lese: "Viele Frauen finden es gerecht, dass sie bei gleicher Arbeit weniger Geld verdienen?" WAS?
Und: "Frauen sollten sich attraktiver geben, damit ihre Löhne steigen? WIE BITTE?
Und dann diese Geschichte mit der Journalistin und dem Brüderle... eieiei! Noch schlimmer: die Kommentare der Leser dazu! So viele Männer schieben einen Hass auf Frauen?
Und wieder: "Was macht sexy..." eine dieser merkwürdigen Studien - Ergebnis: "Jung muss man sein! Oder wenigstens so tun als ob!" Meine Güte, wer will dieses Zeug denn eigentlich noch hören? Es wird langsam öde!
Es scheint, ich habe was verpasst. Ist der Kampf der Geschlechter jetzt eine völlig niveaulose Schlammschlacht?
Neulich erzählte mir jemand, dass er in einer Kneipe Zeuge eines zu laut geführten Gesprächs der Damen am Nachbartisch gewesen sei und ihm ein Satz im Gedächtnis haften geblieben wäre: "Dann kriege ich halt noch ein Kind von dem Arschloch..." Na, da haben sich ja zwei gefunden, aber das ist also wirklich sehr traurig.

Warum Frauen denken, dass sie weniger Geld verdienen sollten, kann ich nicht nachvollziehen. Es klingt ein bisschen nach Hirnwäsche, oder? Eine Leserin schrieb: "... weil wir nicht an testosterongesteuerter Selbstüberschätzung leiden!" Hahaha! Gut gebrüllt, Löwin! Testosteron erscheint mir persönlich übrigens so segensreich wie die Pest.

Tja, sollten Frauen sich attraktiver geben, um mehr Geld zu verdienen? NEIN! Der Typ mit seiner dämlichen Studie sagt zwar genau das Gegenteil, aber nur weil wir der Evolution hinterherhinken, muss das noch lang nicht heißen, dass das auch so bleiben muss.

Glaube nicht, es muss so sein. Weil es so ist und immer so war.
Unmöglichkeiten sind Ausflüchte steriler Gehirne. Schaffe Möglichkeiten.
Hedwig Dohm, Radikalfeministin, 1831-1912

Die Natur hat uns immerhin einen Neocortex mitgegeben. Es ist der stammesgeschichtlich jüngste Teil unserer Großhirnrinde. In ihm liegt unser größtes Potential an Kreativität, Mitgefühl, Intuition und Genie. Und: er wird sträflich vernachlässigt!

Mein Neocortex sagt mir, dass es nicht besonders clever ist, diesen Milliardenmarkt der Schönheitsindustrie zu mästen, damit die Aktionäre noch reicher werden und die Käuferinnen ärmer. Wer finanziert diese Studien eigentlich? Kosmetikfirmen?
Merkwürdig eigentlich, dass ich mehr Männer kenne, die behaupten, sie fänden Schminke eklig, als die, die das gut finden. Ja ja, ist mir schon selber klar, dass die Frauen wollen, die von alleine toll aussehen. Das ist aber schwer möglich, wenn das Schönheitsideal Titelbildern entspringt, die stundenlang mit Photoshop bearbeiten wurden. Es macht übrigens auf Dauer sehr unzufrieden, wenn man immer etwas haben will und es nicht kriegt - Bescheidenheit ist im Moment anscheinend nicht modern, aber sie macht doch vieles leichter.

Ausserdem: warum sollten wir uns attraktiver geben, um irgendwelchen der Evolution hinterherhinkenden Männern zu gefallen? Wäre es nicht sinnvoller, sich ins Zeug zu legen, um diejenigen zu sein, die die Höhe der Gehälter festlegen?

Und Sexismus? Ist es nicht verboten, jemanden sexuell zu belästigen - auch in Deutschland? Doch, es ist und jeder kann das anzeigen. Ist es immer noch so, dass in Deutschland sexuelle Belästigung und Vergewaltigung als "Kavaliersdelikte" oder Bagatelle abgetan werden? Schätze, eine Justizministerin, die nicht in der Lage ist, die Zwangsprostitution in Deutschland abzuschaffen, wird sich auch nicht für sexuell belästigte Frauen ins Zeug legen, oder? Die Debatte, die die Journalistin losgetreten hat, ist ganz gut, schon allein, weil man Sexismus nicht einfach unter den Tisch kehren sollte. Ausserdem amüsiere ich mich wirklich darüber, wie manche Männer sich komplett zum Deppen der Nation machen. "Also ich flirte jetzt nicht mehr mit Journalistinnen!" So what! Soll das etwa eine Drohung sein? Bahahaha!

Was habe ich bei dieser Studie noch gehört? Männer müssten ihren Neocortex gar nicht einschalten, weil es genug junge Frauen gibt, die Kapital aus der fatalen Situation ziehen? Dazu äußere ich mich mal lieber nicht, aber ihr Frauen, die es so macht, tut den Frauen, die sich ehrlich um eine gleichberechtigte Beziehung bemühen, keinen Gefallen, dass ihr für Geld zu haben seid - echt nicht. Aber ich schätze, das ist euch schnurzpiepegal. Wahrscheinlich verirrt ihr euch auch nicht zufällig auf ein Handarbeitsblog?

Frauen, die ihren Neocortex nicht einschalten wollen, stehen übrigens laut Studie auf dominante Männer - na ja, wundert euch lieber nicht, wenn ihr zu kurz kommt. Es ist auch unlauter, sich einen dominanten Kerl zu schnappen und, wenn einem die Dominanz zum Hals heraushängt, den Kerl verbiegen zu wollen.
Es gibt so viele tolle Männer, die ihren Neocortex nutzen und sie sind mit einem Satz gefunden. "Hast du Lust, in einen Stripclub zu gehen?" "Nee, zu langweilig und das Geld ist mir zu schade!"
Voilà! A star is born!

Ich verstehe, dass zur Zeit jeder ganz individuell und maßgeschneidert sein Glück haben will. Ich will das gar nicht beurteilen. Aber es ist etwas relativ Neues und vielleicht zu neu für Menschen, die noch Studien betreiben, in denen herauskommt, dass wir aufgrund unserer Hormone noch funktionieren wie vor zehntausend Jahren, und sich dann auf diesen Studien ausruhen, in denen außerem behauptet wird, dass Frauen sich mit noch mehr Schminke zukleistern und noch mehr Klamotten kaufen sollen, damit bei irgendwelchen Männer das Testosteron in Wallung kommt und die hinterher im Internet hasserfüllte Kommentare über Frauen posten, weil sie Alimente zahlen müssen, wo sie doch eigentlich ihren ganz individuellen Spaß ohne jegliche Konsequenzen haben wollten und keinesfalls Kinder, und die dann vor lauter Frust, so sie in einer entsprechenden Position sitzen, den Frauen, die mit ihrer Misere eigentlich nicht das Geringste zu tun haben, weniger Lohn zahlen als den männlichen Kollegen.


Themenwechsel:
Dann ist da noch der Schal aus Yakwolle von gestern (Anleitung unter "Schal stricken ganz einfach)



Und Filziges: eine Tasche aus einem verfilzten Pullover:





























Der Henkel und die aufgesetzte Tasche ist aus den Ärmeln. Verfilztes kann man nach Belieben schneiden, die Maschen laufen einem nicht mehr davon. Die Tasche ist aus dem ehemaligen Rückenteil und einfach zweimal gefaltet.


Alles Gute
und nicht vergessen: