Dienstag, 4. November 2014

Ernährungswissenschaft...

... ist, so scheint es mir - eigentlich nicht erst seit dieser Woche - so überflüssig wie ein Kropf.
Raucher werden diskriminiert, die Dicken - obwohl sie doch angeblich länger leben - ebenfalls, die Alkoholtrinker kommen wie so oft ungeschoren davon - wieso denn bloß? Die Zuckeresser ruinieren mit ihrer Zuckersucht die Finanzen ganzer Staaten und Milch trinken ist jetzt auch plötzlich eine schlechte Sache - vor allem für Frauen und ab dem vierten Glas pro Tag.
Es sind vor allen Dingen Frauen, die sich von all diesen Studien verrückt machen lassen. Wie viele Zeitschriften für Männer beschäftigen sich eigentlich mit Diätvorschlägen und mit Lebensmittelberatung? Ich werde der Sache diese Woche mal nachgehen.

Die Australier verbrauchten pro Kopf und Jahr (2013) 59,8 kg Zucker, nur 17 % der Bevölkerung sind Raucher und sie liegen auf Platz 10 der Lebenserwartungsliste.

Die Österreicher verbrauchten nur 37 kg Zucker, aber es liegt vermutlich an den Rauchern (47 %) dass sie es auf der Lebenserwartungsliste nur (aber immerhin) auf Rang 33 bringen.

Die USA: Noch weniger Zucker als die Österreicher! (34 kg). Viel weniger Raucher als in Österreich (27%) - wie kann es nur sein, dass sie es auf der Lebenserwartungsliste nur auf Platz 51 bringen? Aber: sie sind auf Platz 2 auf der Liste der Übergewichtigen (nach Mexiko).

Also noch mal zurück: Dicke leben länger, aber auch wieder nicht?

Nehmen wir noch Japan, die nur vier Komma noch was Prozent Übergewichtige haben. Auf der Lebenserwartungsliste auf Platz 3! Bis vor zehn Jahren rauchten in Japan 49,1 % der männlichen Bevölkerung und 14 % der weiblichen Bevölkerung. In Japan liegt die durchschnittliche Lebenserwartung der Männer bei 84,19 Jahren, die der Frauen bei 80,85 Jahren (auch ein bisschen merkwürdig, dass die Raucher länger leben als die Nichtraucherinnen, oder?). Über den Zuckerverbrauch der Japaner konnte ich nichts finden.

Das ist jetzt alles wacklig auf den Beinen... aber das haben Statistiken so an sich. Übrigens kann ich mich noch an die Zeiten erinnern, in denen nur Reiche so richtig übergewichtig waren. Die Wohlstandswampe war damals noch ein Statussymbol. Komisch, dass die Ernährungswissenschaftler nicht schon damals gemerkt haben, dass sie ein teurer Spaß für die Krankenkassen sind. Heute, so heißt es bei jedem Bericht, sind nur noch Arme krankhaft dick.

Hahaha! Das wäre eine tolle Verschwörungstheorie: jetzt, wo es heißt, dass die Dicken länger leben, müssen die Reichen ja ganz schnell wieder dick werden, damit sie lang genug leben, um ihre Moneten ausgeben zu können. Deshalb führen sie jetzt in den USA und bald auch in Dänemark die Zuckersteuer ein und machen mächtig Wind, um die Dicken zu diskriminieren, damit die armen Armen, die übergewichtig sind, schnell wieder dünn werden, denn sonst kann man sie ja später nicht von den neudicken Reichen unterscheiden. Reiche tun alles, um sich von den Armen zu unterscheiden, sie sorgen sogar dafür, dass die schlechte Zähne kriegen, damit man gleich erkennt, wen man vor sich hat. Jeder weiß das. In den USA habe ich viel darüber gelernt. Der erste Blick gilt keineswegs irgendwelchen Hintern oder oder Armani-Anzügen - nein nein, sondern 1) den Zähnen und 2) den Schuhen.
Die Zuckersteuer... mit der was finanziert wird? Die Renten oder die Autobahnen? Subventionen für Unternehmer? Wusstet ihr eigentlich, dass man ganz früher Steuern zahlen musste, wenn man keinen Hund hatte?

Worüber sich anscheinend alle Ernährungswissenschaftler einig sind, ist, dass Stress ungesund ist. (Mag sein, das erklärt aber nicht, warum die Generation meines Vaters eine extrem langlebige ist/war, abgesehen von den Kriegsopfern natürlich. Meine Kindheit ist voll mit kriegstraumatisierten Vätern und Onkeln, Großvätern und im Krieg vergewaltigten Großmüttern voll posttraumatischem Stress).

Trotzdem finde ich eine Stress-Steuer durchaus angemessen. Alle Betriebe, Unternehmen und Behörden, die ihren Arbeitern und Angestellten mit ihrem Management Stress machen, sollten ordentlich zahlen oder alternativ mehr Personal einstellen und/oder nervige Vorgesetzte entlassen. Auch Ernährungswissenschaftler, die mit ihren ständig wechselnden Studienergebnissen die verunsicherte Bevölkerung in Stress versetzen, sollten ihren Stresssteuerbeitrag leisten. Es ist extrem stressig, wenn einem ständig mit dem Tod gedroht wird, sollte man es wagen, das Falsche zu essen. Vor allem, wenn man in seiner Kindheit gehört hat, dass man dankbar sein soll, dass man überhaupt was auf dem Teller liegen hat. Und noch stressiger, wenn das Falsche morgen schon wieder das Richtige ist (z.B. die Sache mit der Butter). Kann es sein, dass Ernährungswissenschaftler einen tyrannischen Zug an sich haben? Und ganz doof wird's, wenn der Arzt angesichts des Cholesterinspiegels die Hände über dem Kopf zusammenschlägt und man anfängt, ernsthaft über seine Bestattung nachzudenken. Ein Jahr später erkundigt man sich dann mit zittriger Stimme bei der Routineuntersuchung, wie es denn mit dem Cholesterinspiegel steht und der Arzt winkt lässig ab und sagt: "Ach, jetzt wird zwischen gutem und schlechtem Blutfett unterschieden und der schlechte war nie zu hoch." (Ist mir so passiert, echt!) Man kann auch vor lauter Angst krank werden, wissen die das denn nicht? Doch, aber dann kann man zum cholesterinsenkenden Medikamente noch ein Beruhigungsmittel verschreiben.

Ich habe vor zwanzig Jahren Einblick in die Kirchenbücher (1734-1860) des Kirchenspiels Rosmierz in Oberschlesien genommen und die Sterbebücher ein bisschen untersucht. Die Bevölkerung bestand zu 100 % aus Nichtrauchern, die angesichts der sich jagenden Hungersnöte kaum übergewichtig gewesen sein dürften. Nach dem Wälzen vieler dicker Bücher könnte zumindest der Eindruck entstehen, dass zu viel Branntwein getrunken wurde, was aber im Zuge der Aufklärung bzw. bis dieselbe dann endlich Oberschlesien erreichte (also sehr viel später), ein Ende fand. Kurz zusammengefasst lässt sich behaupten:

Ca. 40% der Verstorbenen waren Säuglinge und Kleinkinder. Häufigste Todesursache: Würmer oder "Schwäche" whatever that means - dann natürlich ab und an Scharlach- oder Windpockenepidemien.

Dem frühen Kindesalter entschlüpft gab es einige sehr wenige Verunglückte - sehr wenige! Gelegentlich quer durch alle Altersschichten eine Lungenentzündung. (Vielleicht sollten Autos auch eine Aufschrift bekommen: Autofahren tötet. Wer Auto fährt stirbt, oder tötet Andere! Ja, ich meine das so - es heißt ja auch: "rauchen tötet" und nicht "rauchen kann töten".)

Die Kurve meiner Statistik steigt rapide um das 60. Lebensjahr herum. Todesursache Nr 2: Herzinfarkte und Schlaganfälle und Nr. 1: "an den Zähnen". (Bin ich froh, dass ZahnärztInnen erfunden wurden! Eine echte Errungenschaft!)
Ganz klar zu erkennen war, dass in gewissen Familien eine Neigung zu diesen zwei Todesursache bestand. Die Gene halt... In einer Doku hat eine Ernährungswissenschaftlerin gesagt: Es gibt Leute, die sind krank von zu viel Zucker und es gibt Leute, die essen die dreifache Menge und sind gesund. In meiner Familie gibt es die Dreistigkeit, dass die Raucher ein hohes Alter erreicht haben, die Nichtraucher aber früh verstorben sind.

Weiter mit den Kirchenbüchern: Wer schließlich die Würmer, die Epidemien, das Unglück überlebt hat, gute Zähne, einen guten Kreislauf und ein gutes Herz hatte, der lebte dann schön weiter, d.h. es waren kaum Siebzigjährige zu finden, die dem Tod anheim fielen. Haufenweise jedoch ab Achtzig- bis Hundertjährige. Der älteste Bewohner wurde 102 Jahre.

Dieses Kirchenbuch ist aber nicht repräsentativ. Es gibt Kirchenbücher, in denen leider alle ausnahmslos sehr früh verstarben. Obwohl sie weder zucker- noch tabaksüchtig waren. Es gibt welche, in denen die Armen früh starben und die Reichen lange lebten und viel seltener, wo die Reichen nicht alt wurden und es einige langlebige Arme gab. Ja, jetzt wüsste ich gern, was die so gegessen haben... vermutlich nichts anderes als alle Anderen auch.

Okay, genug gelästert. Aber zum Abschluss möchte ich noch mal auf diese Branntweinsache zurückkommen. Den Leibeigenen in Schlesien wurde pro Tag eine nicht unerhebliche Menge Branntwein ausgeteilt, vermutlich, um sie bei Laune zu halten und sie gefügig zu machen.  In bestimmten Gegenden schadete das erheblich der "Volksgesundheit" und tatsächlich kann man bei gehäuft auftretender Todesursache "Wassersucht" auf die Idee kommen, es handele sich dabei um Leberzirrhosen.
Anstatt jetzt aber das arme, geplagte Volk mit Vorwürfen zu überschütten, was ihm einfällt, den ihm angebotenen Branntwein zu trinken und damit für wirtschaftliche Schäden verantwortlich zu sein, appellierten fortschrittlich gesonnene Gutsbesitzer an die Gutsbesitzerkollegen, den Ausschank von Branntwein zu unterlassen, was dann auch geschah. Vermutlich kam das Volk darauf endlich zu Sinnen, zettelte die Deutsche Revolution 1848/49 an und beendete damit die Leibeigenschaft auch in den hintersten Winkeln.

Ganz ehrlich, wenn ich über diese letzte Sache nachdenke, wird mir auch ohne zu viel Zucker ganz schlecht. Immer öfter höre ich Politiker sagen, dass das "Volk" einfach nicht die Verantwortung für sich und seine Ernährung übernehmen kann und es mehr fremdbestimmt werden sollte. Angesichts der Tatsache, dass die Gene eine wesentliche Rolle bei vielen Erkrankungen spielen, ist das eine ganz dreiste Frechheit!

Stieg Larsson, das ist der, der diese tolle Trilogie geschrieben hat (R.I.P.), hat gesagt: Eine Demokratie ist nichts Bleibendes, jede Generation muss dafür sorgen, dass sie erhalten bleibt.

Ein Mensch muss selbst entscheiden dürfen, was er essen möchte!

In diesem Sinne:

Lasst euch nicht die Butter vom Brot nehmen!


















Keine Kommentare: