Sonntag, 9. November 2014

Sonntagsausflug mit Wolfsgrube



Es drängt sich einem schwer der Verdacht auf, dass die Småländer nicht gerade viel für Wölfe übrig haben. Kaum wird ein Wolf gesichtet, ist die Mehrheit der Bevölkerung der Meinung, er müsse gejagt bzw. abgeschossen werden. Wie schade! Auf die Nachfrage, warum ein paar Wölfe in diesen endlosen Wälder denn so ein großes Problem sein könnten, werden arme Lämmer angeführt, die von Wölfen gerissen werden.
Die Lämmer tun mir natürlich auch leid, aber da sie in den seltensten Fällen wegen der Wolle gehalten werden, sondern vielmehr, um sie nach Jahresfrist selbst zu verspeisen, verstehe ich das Argument nicht ganz, zumal die Lämmerbesitzer für ihre Verluste finanziell entschädigt werden.
Davon, dass Wölfe auch den Menschen gefährlich werden, sind ebenfalls viele überzeugt.
Tatsächlich belegen alte Kirchenbücher im Grenzgebiet zwischen Dalsland und Värmland während einer relativ kurzen Periode, dass Menschen durch Wölfe verstarben.

Im Februar 1727 verstarb einige Tage nach dem Angriff ein Zwölfjähriger in Dalsland; ein viereinhalbjähriger Junge wurde im Dezember desselben Jahres in Värmland angefallen und zum größten Teil aufgefressen. Im Januar 1728 wurde eine Neunjähriger in Värmland ganz und gar gefressen.
Im August 1731 wurde ein zwölfjähriges Mädchen in Dalsland getötet; ein achtjähriger Junge im Januar 1763 in Västra Götalands län.

Bei einer Serie von Wolfsattacken in einer begrenzten Gegend (Dalarna und Gästrikland) wurden zwischen dem Dezember 1820 und März 1821 31 Kinder von einem Wolf attackiert, neun davon wurden getötet, 15 verletzt. Diese Überfälle gehen jedoch - wenn's natürlich auch kein Trost ist - auf den Gysinge-Wolf zurück, der vermutlich kein richtiger Wolf, sondern ein Hundehybrid war, der seit 1817 in Gefangenschaft auf dem Gut Gysinge lebte und entweder entkam oder freigelassen wurde.
Seitdem wurden bis auf einen letzten Fall keine Aufzeichnungen über Wolfsopfer gefunden. Es könnte sein, dass die Todesursache in den Kirchenbüchern jedoch einfach "umbenannt" wurde (heißt es, aber warum eigentlich?)

Das einzige Wolfsattacke seit dem Gysinge-Wolf in Schweden fand 2012 im Wolfsgehege in Kolmårdens Tierpark einen tödlichen Ausgang und traf eine dreißigjährige Angestellte.



Im Fall eines Wolfsangriffs wird empfohlen, sich heftig gegen den Wolf zu wehren... Und es wird abgeraten, einen Wolf zu füttern oder anzulocken.

Was mich betrifft, die gern auch allein im Wald herumstreift, so fürchte ich mich eher vor den Tausenden von Wildschweinen als vor einem einsamen Wolf, der sich nach Småland verirrt hat.



























Das ist eine Wolfsgrube in Branthult mit Erklärung (ganz unten auch in Englisch):

Anscheinend hat es also in Südschweden einmal vor Wölfen nur so gewimmelt. Auch dass es bereits in der Eisenzeit Wolfsgruben gab, zeigt, dass die Abneigung gegen Wölfe eine uralte Tradition hat. Es ist schon einleuchtend, dass man sich das bisschen Essen nicht von den Wölfen nehmen lassen wollte. Heute aber, wo die Bevölkerungsdichte auf dem Land rückläufig ist (20 Einwohner/km2) und niemand hungern muss, wenn ein Lamm fehlt, finde ich, müsste sich doch für ein paar Wölfe ein Plätzchen finden.

Es gibt in Kalmar län kein fest angesiedeltes Wolfsrudel. Da Wölfe aber auf der Roten Liste der vor dem Aussterben bedrohten Arten stehen, wären drei Rudel willkommen. Wenn ich es richtig verstanden habe, haben die Kommunen das letzte Wort und Högsby möchte keine Wölfe haben. Vielleicht, weil die Quoten für die Jagd auf Elche relativ niedrig sind und deshalb die Jäger den Spaß für sich alleine haben wollen - wer weiß?
Der Verantwortliche des Jagdclubs Högsby sagte in einem Interview mit der Lokalzeitung: Wer hier Wölfe haben wolle, sei ein Naturromantiker.

Es gibt eine eigene schwedische Seite im Internet, die vehement auf die Gefährlichkeit von Wölfen eingeht, mit blutigen Bildern von gerissenen Lämmern, Wildtieren und Hunden, Statistiken, wie viele Menschen weltweit von Wölfen getötet werden. Ja, ist alles sehr schlimm und gar nicht schön, aber deswegen den Wölfen ein Recht auf ihr Dasein zu verweigert, erscheint mir allzu drastisch.

Hält man jetzt nämlich die Liste der Todesopfer von Wölfen (nicht nur in Schweden) neben die der Todesopfer von Männern, sehen letztere ziemlich alt aus, denn sie ist um ein Vielfaches länger.
Ich meine, abgesehen von Grippe- und sonstigen Viren oder irgendwelchen Bakterien, scheinen doch eher eine beträchtliche Anzahl männlicher Menschen die meisten Opfer zu fordern und wer würde schon auf die Idee kommen, sie deswegen auszurotten? Na also! Warum dem Wolf nicht eine Chance geben?

Einen guten Start in die neue Woche!!!

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