Sonntag, 11. Januar 2015

Der Winter und das neue Jahr




Das ist schon  mal der halbe Schal...

Während ich seit zwei Wochen an einem Schal aus elendig dünnem Babyalpakagarn stricke, sind zwei Stürme über Gillberga gejagt. Heute Nacht hat es Bäume entwurzelt, das ganze Haus hat gewackelt und gebebt, es hat Dachpfannen und die Antenne heruntergerissen und jetzt schneit es sehr heftig.

Während des Strickens denke ich voller Mitgefühl an all die Menschen, die Opfer des Terrors in Frankreich geworden sind und die, sofern sie ihn überlebt haben, sich jetzt mit einer posttraumatischen Belastungsstörung herumschlagen müssen - die unruhigen Nächte, das Herzrasen, die Atemnot, die Wut - womöglich über viele Jahre hinweg.

Und ich denke an all jene, die für eine Demokratie mit einer Meinungs- und Pressefreiheit gekämpft haben. Ihnen sind wir es schuldig, uns dafür einzusetzen, dass diese Grundrechte erhalten bleiben.

Mein Großvater war Redakteur einer Zeitung im Schwarzwald und als die Nazis, die er nicht mochte,  mehr und mehr wurden, schrieb er in der Zeitung zum Beispiel: "Am soundsovielten um 20 Uhr Treffen der Nationalsozialisten in der Gaststätte am Waldsportplatz." Der Waldsportplatz liegt etwa vier Kilometer vom Ort entfernt, hoch über Stadt im Wald, nur über einen schmalen im Dunkeln nicht ungefährlichen Fußweg erreichbar. Es machte ihm einen Heidenspaß, die Nazis ein bisschen reinzulegen - Humor war seine Art des Widerstandes. Es endete freilich nicht gut - Fanatiker verstehen keinen Spaß - schade!

Und noch eins: Wenn in einer Zeitung etwas steht, das mir nicht gefällt, weil es mich kränkt, dann schüttle ich diese Kränkung ab und wenn mir das nicht gelingt, nehme ich Papier und Bleistift und schreibe einen Brief an die Redaktion, in dem ich freundlich aber bestimmt mitteile, weshalb mir der Beitrag überhaupt nicht gefallen hat. Das ist mein gutes Recht und ich weiß es zu schätzen. In einem Staat, indem die Meinungs- und Pressefreiheit im Grundrecht verankert ist, macht es überhaupt keinen Sinn, gewalttätig vorzugehen. Wenn jemand sich entschließt, mit Terror auf eine Kränkung zu reagieren, dann zeigt das nur, dass jemand total verblödet ist und nicht in der Lage, auch nur einen vernünftigen Gedanken zu fassen.




Ich wünsche euch ein gutes neues Jahr!
Viel Glück!

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