Dienstag, 10. Januar 2017

Kimono - Yukata nähen

Horrido! Ein gutes neues Jahr!

Wer gedacht hat, Mann, jetzt ist die in Gillberga wieder in einen Winterschlaf gefallen, irrt gewaltig. Ich war superfleissig, habe mir bei kiseki.de und bei Sanmaro.net Stoffe und einen Schnitt fuer einen Kimono bzw. Yukata bestellt und mich ans Werk gemacht.

Um es gleich zu gestehen, mein neuer Morgenmantel ist eine Mischung aus Kimono und Yukata, weil:


  • er ist aus Baumwolle und somit ein Yukata - Kimonos sind aus Seide, Wolle, Polyester oder Mischgeweben
  • er ist ein Kimono, weil er gefuettert ist - Yukatas sind nicht gefuettert. Es gibt auch Kimonos, die nicht nicht gefuettert sind...
  • und die Ärmel sind nicht die eines Yukatas, weil sie dann 50 cm breit wären, was sie nicht sind.
  • ein Kimono ist handgenäht! Yes!


Der Grund, warum ich das hier schreibe, ist folgender:

Ich habe den Schnitt aus der Verpackung genommen und festgestellt, dass es sehr helfen wuerde, die japanische Sprache zu beherrschen.

Bei der Beschreibung bei Kiseki steht, dass der Schnitt nicht fuer Nähanfanger geeignet ist und dem stimme ich entschieden zu. Ich wuerde mich im Mittelfeld ansiedeln, was die Kunst des Nähens betrifft, und es hat eine ganze Weile gedauert, bis es endlich "klick" gemacht hat.

Ehrlich gesagt, hatte ich darauf gehofft, im Internet auf anderen Blogs erfahren zu können, was genau zu tun ist, und war nach endloser Googelei ein bisschen enttäuscht, dass von der Seite nicht viel zu holen war.

Deshalb also hier einige bescheidene Tipps.

Groesse
Bei der Ermittlung der richtigen Groesse war DIESE SEITE ganz hilfreich. Mein Schnittmuster hat zwar die Groessen S, M, L, SM, LL und noch manch andere Kombination genannt, aber das war dann eher wieder verwirrend. Schliesslich habe ich mich fuer "M" entschieden, aber es hätte, wie sich später herausgestellt hat, gern auch "S" sein duerfen. Ich bin 1,67 m gross, 60 kg schwer und meine deutsche Konfektionsgroesse ist 38/40.

Stoffverbrauch
Ausser dem Schnitt, habe ich vier Meter Stoff (110 cm breit) und entsprechend die gleiche Menge Futterstoff (eine hauchduenne Baumwolle) verbraucht - es gab reichlich Reste, aber 3,50 m wiederum hätten nicht ausgreicht.

Grundsätzlich habe ich es nicht bereut, den Kimono / Yukata von Hand genäht zu haben. Es gibt viele knifflige Ecken, die man mit der Nähmaschine nur sehr schwer sauber hinbekommt. Das Nähen ging wider Erwarten sehr schnell, auf jeden Fall schneller, als den Schnittmusterbogen zu entschluesseln.


Nachdem der Stoff also der Länge nach - Webkante an Webkante - gefaltet ist (er wird genauso geliefert) und das Schnittmuster - hoffentlich - in der richtigen Groesse ausgeschnitten ist. Steckt man  sämtliche Teile auf dem Stoff fest. Auf einem Schnittmuster sind die jeweiligen Nahtzugaben in lesbaren Zahlen genannt, aber das habe ich erst gemerkt, als ich gerade dabei war, das letzte Teil auszuschneiden - haha. Ich habe es also falsch gemacht und alles mit 1,5 cm plus ausgeschnitten, was aber am Ende völlig gleichgueltig war.




Trotzdem will ich hier schnell ziemlich stolz präsentieren, wie ich ganz schnell gleichmässig diese falschen 1,5 cm mit Schneiderkreide markieren konnte. Man bastelt sich aus Pappe so ein Hilfsteilchen und auf geht's.

Wichtig ist, dass man alle Markierungen auf dem Schnittmusterbogen auf den Stoff ueberträgt. Zweimal - einmal auf der Oberseite und einmal auf der Unterseite des Stoffes.





Jetzt alle Teile ausschneiden und obwohl es einen Haufen Arbeit macht, die Rueckenteilnaht, wie alle anderen folgenden Nähte auch, stecken, heften, 1,5 cm abmessen, meinetwegen mit einem Geodreieck die Naht mit einem duennen Stift aufzeichnen und dann erst nähen. Wer mit der Maschine näht, kann gleich nach dem heften nähen.
Nach der Rueckennaht kommen die Schulternähte, dann die Seitennähte, dann die Ärmel und das Einsetzen der Ärmel.

Wie es auf einer Internetseite hiess, werden die Nähte bei einem Kimono /Yukata nicht in der Mitte auseinandergebuegelt, sondern zu einer Seite bzw. nach hinten gebuegelt. Nach hinten - rate ich  mal - soll heissen, die Seiten-, Schulter- und Ärmelnähte werden Richtung Rueckenteil gebuegelt. Das soll haltbarer sein. Die Stiche, mit denen ein Kimono genäht wird, sollen zwischen 2 und 4 mm lang sein. Ich habe mit Rueckstichen genäht, weil mir das stabiler erscheint. Auf derselben Internetseite war zu lesen, dass ein Kimono komplett aufgetrennt wird, um ihn zu waschen. Daher empfiehlt sich natuerlich das Nähen mit diesen kleinen Steppstichen und der Rueckstich eignet sich nicht, wenn man dieser Tradition folgen möchte!

Diese Passe, die man rund um den Halsauschnitt und bis zur Hälfte des Kimonos anbringen muss, kommt später...

Jetzt kann man aber schon in seinen Kimono / Yukata schluepfen und ihn ausgiebig bewundern und sich daruerber freuen, so schnell zu einem Ergebnis gekommen zu sein. Noch ahnt man ja nicht, dass das Nähen des "Innenkimono, -yukata" aus dem Futterstoff ziemlich unangenehm ist und muehseliger als die Arbeit, die man schon hinter sich hat.

Also dasselbe nochmals aus dem Futterstoff - bis auf die Ärmel. Wer keine Schneiderlehre gemacht hat und sich ein bisschen unsicher fuehlt... also ich habe die Ärmel seperat gefuettert, weil ich nicht direkt der geduldigste Mensch bin fuer Fitzelarbeit. An den Nähten, die den Ärmel mit dem Hauptteil verbinden, habe ich das Innenfutter des Ärmel festgenäht. Das hat gut funktioniert.

Es gibt uebrigens ein ziemliches Gefummel unter dem Arm, weil die Nähte nicht auseinandergebuegelt werden, sondern zur Seite. Das heisst, an diesen "offenen" Stellen stellt sich das Problem, wie man weiterverfahren soll. Entweder man knautscht in den Stoff mit Gewalt in Position oder riskiert es einfach und schneidet in den schönen bunten Stoff, um fortfahren zu können. Ich habe geschnitten und mit kleinen Stichen fixiert, um später ein Einreissen zu verhindern. An dieser Stelle hätte ich wirklich gern Hilfe von einem der zahlreichen Kimono-Blogs gehabt. Irgendwie muesste es doch eine elegantere Lösung des Problems geben... Bestimmt handelt es sich hierbei um ein gut gehuetetes Kimonoschneidergeheimnis, das keiner weitergeben darf, der es kennt.
Dieser Abschnitt klingt ein bisschen verworren, aber wenn man an dieser Stelle mit dem Nähen ankommt, weiss man ganz genau, was ich meine.


Danach wird das Innenfutter am Halsausschnitt und den vorderen Kanten mit dem Aussenteil verheftet, die Naht mit Hilfe des Geodreiecks und eines Stiftes eingezeichnet und festgenäht. Die Ärmelkanten habe ich so dezent wie möglich am Ärmelfutter festgenäht.
Wie man deutlich auf den Fotos sehen kann, sind meine Stiche nicht vorsichtig genug und sie sind auf dem Aussenstoff sichtbar. Das sollte nicht so sein. Aber man sieht es auf einen Abstand von zwei Metern nicht mehr... :-) Und hey, das ist mein erster Kimono / Yukata!
































Dann näht man also die Passe fest. Zuerst von aussen, dann innen - ich habe es, wie immer, andersherum gemacht und bereut.

























Am Ende kommt der Saum - siehe Foto. Ich habe keine Ahnung, ob das alles den Kimono-Yukata Näh-Regeln entspricht, aber der Kimono ist ganz prima geworden!!!

Leider ist bei dem Foto der Wind so unguenstig in den Kimono - Yukata gefahren, so dass man mir einen Witwenbuckel im fortgeschrittenen Stadium diagnostizieren könnte. Ohne Wind sieht er jedenfalls prima aus :-D

Einen Obi - also diesen breiten Guertel - werde ich nicht benutzen. Irgendwie ist auf meinem Vorderteil kein Platz dafuer.

Auf jeden Fall war das nicht der letzte Kimono - Yukata, den ich genäht habe. Beim nächsten werde ich mich fuer ein weniger grossflächiges und dezenteres Muster entscheiden - ich habe schon eins im Auge ;-)




Jetzt muss ich mit mit dem Boro weitermachen. Was das sein soll, wird hier demnächst zu lesen sein!

Bis hoffentlich bald!

1 Kommentar:

Aurelija B. hat gesagt…

Liebe Katla,
dein Werk finde ich super. Der Stoff ist so was von schön!Ich habe schon viel genäht, aber auf die Idee einen Kimono zu nähen, bin ich noch nicht gekommen.
Liebe Grüße
Aurelija